Geleitwort Anders durch die Zeit 1, Du bist ihr ähnlich

Geleitwort von Harald Kaup (Dezember 2024)
>>Eine Zeitreise ist ein hypothetisches Konzept, das die Bewegung eines Individuums oder Objekts durch verschiedene Zeitpunkte ermöglicht, sei es in die Vergangenheit oder in die Zukunft, oft unabhängig von der normalen Abfolge des Zeitverlaufs, wie sie durch die Naturgesetze definiert wird.<<
Soweit und so langweilig die Definition einer KI. Die Relativitätstheorie von Albert E. aus U. und die Betrachtungen der Quantenphysik erfreuen höchstens die Fachleute aus der Astrophysik. Kausalitäten und Paradoxien sind hundertfach durchgekaut – laaangweilig!
Tatsächlich halte ich SciFi-Romane zum Thema Zeitreisen für die Königsdisziplin – und daher wage ich mich selbst auch nicht heran. Es gibt da so Widersprüche. Was ist, wenn ich – also der Opa, ich agiere so unglücklich, dass der Gute verstirbt, ohne meinen Vater gezeugt zu haben. Ähm, das ist alt und hat einen Bart – bekommt schon Rente. Ich setze da noch einen drauf. Also, ich finde meine Oma so scharf, dass ich sie ihm ausspanne und … hoppla, jetzt wird’s komisch. Dann hätte ich ja meinen eigenen Vater … – lassen wir das. Aber geht das?
Ein wenig so: Was war zuerst da, die Henne oder das Ei? Ohne Henne kein Ei, ohne Ei gar keine Hühner.
Ein weiterer Grund für meine Ablehnung … Halt: Ich schreibe keine – lesen schon. Ich finde es nur heftig schwierig. Die meisten Reisen gehen in die Vergangenheit. Stellen Sie sich vor, sie sind Theaterregisseur und sie müssten nach jedem Akt ein komplett neues Bühnenbild aufbauen – und dazu noch die meisten Leute austauschen, die dort agieren. Das heißt – für jeden Zeitsprung muss sorgfältig recherchiert werden. Wenn es in die Zukunft geht, brauche ich eine komplett neue Welt – und das jedes Mal. Ich tue mich schon schwer, eine neue Romanreihe anzufangen. Bis ich da die Eckpunkte zusammengeklöppelt habe, vergehen Wochen und ich fummel mir einen Knoten ins Hirn. Und das soll ich dann in einem Roman mehrfach tun? Ich lehne da mal bitte dankend ab – keinen Bock. Ich weiß schon, warum in meinen SciFi-Welten nicht einmal ansatzweise ein Zeitreisender oder ähnlich auftaucht. Hier wird ein ganzes Buch diesem Thema gewidmet. Umso mehr Respekt empfinde ich natürlich gegenüber Autoren wie Axel Kruse, die sich um solche Schwierigkeiten nicht kümmern und das einfach mal so machen. Hut ab – zum Lesen.
Selbstverständlich hat auch der Herr Kollege zuvor seine Eckpunkte festgelegt zum Thema Paradoxon oder umgeht er es? Wie? Gibt es ein Mutiversum oder wie immer das heißen mag? Gibt es unendliche Variationen? Wenn ich dem Opa die Oma ausspannte, gehe ich dann seitwärts in der Zeit und wechsle dabei die Zeitlinien? In einer, in der es mich gar nicht gibt? Höre ich dann auf zu existieren und wann? Habe ich Einfluss in welcher diese Zeitlinien ich mich befinde, oder ist es Zufall? Gehe ich in der Vielzahl unter und finde nie in >meine< Zeit zurück? In einer dieser unendlich vielen Zeitlinien wird Bayern wieder Deutscher Meister im Fußball, in einer anderen Hamburg oder gar Schalke? Ups, jetzt haben wir schon drei. In einer Zeit gehe ich rechts aus dem Haus und werde vom Bus überfahren, in der anderen gehe ich links und treffe meine zukünftige Frau? Es mag dasselbe Ergebnis sein – oder auch nicht. Vielleicht war es auch eine Straßenbahn.
Nun, der fantasievolle Autor, der sich darauf einlässt, findet eine bunte Spielwiese für seine Kreationen vor, bei denen er sich heftig austoben kann. Und die Leserschaft stellt sich bitte auf einen ganzen Strauß von Überraschungen und Wendungen ein. Fest steht, das Vergnügen am Buch kommt nur dann auf, wenn man sich einlässt – auf fantastische Geschichten.
Und Zeitreisen sind die Krönung.
Ich wünsche viel Spaß mit dem vorliegenden Buch.
